Den saisonalen Radwechsel kannst du mit etwas Sorgfalt selbst erledigen – wichtig sind das richtige Werkzeug, das korrekte Anzugsdrehmoment und ein paar Sicherheitsregeln. Und damit die abmontierten Räder die nächste Saison gut überstehen, kommt es auf die richtige Einlagerung an. Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch beides.
1. Wann werden Räder gewechselt?
Am häufigsten wird saisonal getauscht – als Faustregel „von O bis O“ (Oktober bis Ostern). Maßgeblich sind aber die Temperaturen: Unter etwa 7 °C sind Winterreifen im Vorteil. Weitere Anlässe sind ein Reifenschaden, abgefahrenes Profil (siehe Profiltiefe) oder der Wechsel auf einen anderen Radsatz. Prüfe vor dem Aufziehen der Winterräder, dass die Reifen das Alpine-Symbol (Schneeflocke) tragen – nur dann gelten sie als Winterreifen. Nutzt du ganzjährig einen Satz, entfällt der saisonale Wechsel, dafür solltest du Profil und Zustand regelmäßig kontrollieren.
2. Werkzeug und Vorbereitung
Mit der richtigen Ausrüstung geht der Wechsel sicher und zügig von der Hand. Diese Dinge solltest du bereithalten:
- Wagenheber (ausreichend tragfähig für dein Fahrzeug)
- Drehmomentschlüssel – unverzichtbar für korrektes Anziehen
- Radkreuz oder Steckschlüssel zum Lösen
- Unterlegkeile und ein ebener, fester Untergrund
- Optional: Drahtbürste und Kupferpaste für die Radnabe
Ziehe die Handbremse an, lege den Gang ein (bzw. Stellung P) und sichere das Fahrzeug mit Unterlegkeilen gegen Wegrollen. Lege dir das Werkzeug griffbereit zurecht, bevor du beginnst, und arbeite möglichst nicht am Straßenrand, sondern an einem sicheren, ruhigen Ort.
3. Räder wechseln – Schritt für Schritt
- Radschrauben lösen (nur lösen, noch nicht herausdrehen), solange das Rad am Boden steht.
- Fahrzeug aufbocken – nur an den vom Hersteller vorgesehenen Aufnahmepunkten.
- Schrauben herausdrehen und das Rad abnehmen.
- Auflagefläche an der Nabe bei Bedarf von Rost/Schmutz säubern (dünn Kupferpaste nur auf die Zentrierung, nicht auf die Auflagefläche).
- Neues Rad aufsetzen und die Schrauben handfest über Kreuz anlegen.
- Fahrzeug ablassen und die Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel über Kreuz auf das vorgeschriebene Drehmoment anziehen.
Nimm dir für jeden dieser Schritte Zeit und arbeite ruhig. Besonders das Lösen der Schrauben im Stand ist wichtig: Am aufgebockten Fahrzeug würde sich das Rad sonst mitdrehen. Achte außerdem darauf, das abgenommene Rad flach hinzulegen, damit es nicht wegrollt oder umkippt.
4. Das richtige Anzugsdrehmoment
Das korrekte Drehmoment steht in der Betriebsanleitung deines Fahrzeugs – es hängt von Fahrzeug, Felgentyp und Schraube ab und liegt bei vielen Pkw grob im Bereich von etwa 100 bis 130 Nm; maßgeblich ist aber immer die Herstellerangabe für dein Fahrzeug. Zu geringes Drehmoment ist gefährlich (Rad kann sich lösen), zu hohes kann Gewinde und Felge beschädigen. Der Über-Kreuz-Anzug sorgt dafür, dass sich das Rad gleichmäßig und plan an die Nabe anlegt – ziehst du eine Schraube nach der anderen im Kreis an, kann das Rad leicht schief sitzen. Wichtig:
- Immer über Kreuz anziehen, damit das Rad plan aufliegt.
- Drehmomentschlüssel verwenden statt „nach Gefühl“.
- Nach etwa 50–100 km nachziehen – besonders bei neuen Felgen setzt sich die Verbindung.
- Bei Wechsel zwischen Stahl- und Alufelgen ggf. andere, passende Radschrauben verwenden.
5. Sicherheit geht vor
- Arbeite nie unter einem nur aufgebockten Fahrzeug.
- Nutze ausschließlich die vorgesehenen Aufnahmepunkte für den Wagenheber.
- Stelle das Fahrzeug auf festem, ebenem Untergrund ab.
- Kontrolliere nach dem Wechsel den Reifendruck.
6. Häufige Fehler beim Radwechsel
Diese Fehler solltest du vermeiden – sie sind teils sicherheitskritisch:
- Ohne Drehmomentschlüssel arbeiten: „Nach Gefühl“ angezogene Schrauben sind oft zu fest oder zu locker.
- Falsche Aufnahmepunkte: Am falschen Punkt aufgebockt, kann der Schweller beschädigt werden oder das Fahrzeug abrutschen.
- Nachziehen vergessen: Ohne Kontrolle nach 50–100 km bleibt eine setzungsbedingte Lockerung unbemerkt.
- Verschmutzte Auflagefläche: Rost oder Schmutz zwischen Nabe und Felge führen zu ungleichmäßigem Sitz.
- Falsche Radschrauben: Beim Wechsel zwischen Stahl und Alu passen die alten Schrauben oft nicht.
7. Räder richtig einlagern
Fachgerechte Lagerung verlängert die Lebensdauer deiner Räder. Reifen altern nicht nur durch Fahren, sondern auch durch Hitze, Feuchtigkeit und UV-Licht – eine gute Lagerung schont die Gummimischung:
- Vorher reinigen: Bremsstaub und Streusalz entfernen – wie das geht, zeigt der Ratgeber Felgen reinigen & pflegen.
- Position kennzeichnen (z. B. VL, VR, HL, HR), um beim nächsten Mal gezielt rotieren zu können.
- Kompletträder liegend stapeln oder hängen; Reifen ohne Felge dagegen stehend lagern und gelegentlich drehen.
- Luftdruck leicht erhöhen und kühl, trocken, dunkel und fern von Öl/Lösungsmitteln lagern.
Für die Aufbewahrung eignen sich Felgenbäume, Wandhalter oder stabile Regale; Reifentaschen schützen zusätzlich vor Staub. Achte darauf, dass die Räder nicht dauerhaft unter Spannung oder Last stehen. Ein trockener Kellerraum oder eine Garage ist ideal – ungeeignet sind Orte in der Nähe von Elektromotoren, da diese Ozon erzeugen, das die Gummimischung angreift. Bei guter Lagerung überstehen Räder problemlos eine Saison und mehr.
8. Wann besser in die Werkstatt?
Nicht jeder Radwechsel eignet sich für die Eigenregie. In die Werkstatt oder den Reifenservice gehörst du, wenn dir das passende Werkzeug (vor allem ein Drehmomentschlüssel) fehlt, du unsicher bist oder wenn Reifen von der Felge gezogen und neu ausgewuchtet werden müssen. Auch bei festsitzenden oder beschädigten Schrauben, bei Fahrzeugen mit Reifendruckkontrollsystem, das angelernt werden muss, oder bei Unsicherheit über die Aufnahmepunkte ist der Fachbetrieb die sichere Wahl.
9. Der Vorteil von Kompletträdern
Fertig montierte und gewuchtete Kompletträder machen den saisonalen Wechsel besonders einfach: Es werden nur die Räder getauscht, ein zeitaufwändiges Auf- und Abziehen der Reifen entfällt. Mehr dazu im Ratgeber Winterkompletträder. Nach längerer Standzeit lohnt vor dem Aufziehen ein Blick auf die Wuchtung – siehe Reifen auswuchten. Zudem schont ein zweiter, günstiger Felgensatz für den Winter die oft teureren Sommerfelgen vor Streusalz und Bordsteinschäden – und du hast beim Wechsel deutlich weniger Aufwand.
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FAQ: Häufige Fragen zum Radwechsel
Kann ich Räder selbst wechseln?
Ja, mit etwas Sorgfalt und dem richtigen Werkzeug – vor allem einem Drehmomentschlüssel. Wichtig sind ein sicherer Stand des Fahrzeugs, die richtigen Aufnahmepunkte und das korrekte Anzugsdrehmoment.
Mit welchem Drehmoment ziehe ich die Radschrauben an?
Das hängt vom Fahrzeug ab und steht in der Betriebsanleitung. Ziehe die Schrauben immer über Kreuz mit einem Drehmomentschlüssel an. Zu geringes Drehmoment ist gefährlich, zu hohes kann Gewinde und Felge beschädigen.
Muss ich die Radschrauben nachziehen?
Ja. Nach etwa 50 bis 100 km solltest du das Anzugsdrehmoment noch einmal prüfen, da sich die Verbindung – besonders bei neuen Felgen – setzt.
Brauche ich für Alufelgen andere Radschrauben?
Oft ja. Stahl- und Alufelgen unterscheiden sich in Dicke und Sitzform. Verwende immer die für den jeweiligen Felgensatz passenden Schrauben oder Muttern, damit das Rad sicher sitzt.
Wie lagere ich meine Räder richtig?
Vorher reinigen, Position kennzeichnen und kühl, trocken und dunkel lagern. Kompletträder stapelst du liegend oder hängst sie auf; Reifen ohne Felge lagerst du stehend und drehst sie gelegentlich. Der Luftdruck darf leicht erhöht sein.
Wie lange dauert ein Radwechsel?
Geübt schaffst du einen kompletten Satz oft in unter einer Stunde. Mit fertig montierten Kompletträdern geht es besonders zügig, weil nur die Räder getauscht werden.
Wie lagere ich Reifen ohne Felge?
Reifen ohne Felge lagerst du am besten stehend und drehst sie gelegentlich, damit sie sich nicht verformen. Kompletträder mit Felge dagegen stapelst du liegend oder hängst sie auf. In beiden Fällen gilt: kühl, trocken, dunkel und fern von Ölen und Elektromotoren.
Wie oft sollte ich meine Räder rotieren?
Ein Achstausch (Rotieren) beim saisonalen Wechsel gleicht unterschiedlichen Verschleiß zwischen Vorder- und Hinterachse aus und verlängert die Lebensdauer des Satzes. Beachte dabei die Laufrichtung laufrichtungsgebundener Reifen.
Quellen
- Betriebsanleitung des Fahrzeugs – Anzugsdrehmoment und Wagenheber-Aufnahmepunkte
- Grundlagen der Radmontage – Über-Kreuz-Anzug, Nachziehen, Radschrauben-Sitzform