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Offroad-Wohnmobil: Räder, Reifen und Traglast richtig wählen

Ein geländetaugliches Wohnmobil scheitert selten am Motor. Es scheitert an der Traglast. Kastenwagen auf Ducato-, Transit- oder Sprinter-Basis fahren mit Ausbau, Wasser, Gas und Gepäck fast immer nahe an ihrer zulässigen Achslast, und genau deshalb ist die Radwahl beim Wohnmobil eine andere Aufgabe als beim Pkw: Nicht Optik entscheidet zuerst, sondern die Frage, wie viel Kilo Rad und Reifen tragen dürfen. Dieser Ratgeber geht die Reihenfolge durch, in der du entscheiden solltest, und nennt dir die Lochkreise der gängigen Basisfahrzeuge.

Hinweis vorweg: Dieser Text ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Beratung durch eine amtlich anerkannte Prüforganisation. Verbindlich sind die Angaben in deiner Zulassungsbescheinigung, das Teilegutachten oder die ABE der Felge und die Freigaben des Fahrzeugherstellers. Im Zweifel lässt du die Kombination vor der Montage prüfen.

1. Warum die Traglast beim Wohnmobil zuerst kommt

Beim Pkw hast du fast immer Luft: Ein Kompaktwagen wiegt leer rund 1,3 Tonnen, die Räder tragen deutlich mehr. Beim Wohnmobil ist das umgekehrt. Ein ausgebauter Kastenwagen mit 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse hat auf der Hinterachse oft 2.000 kg und mehr zugelassen. Pro Rad sind das 1.000 kg, und diese Zahl musst du erst einmal finden, wenn du auf eine Alufelge wechseln willst.

Die Rechnung ist einfach und du solltest sie machen, bevor du dir eine Felge aussuchst: Nimm die zulässige Achslast aus Feld 8.1 und 8.2 deiner Zulassungsbescheinigung Teil I und teile sie durch zwei. Das Ergebnis ist die Mindesttraglast, die jede einzelne Felge und jeder einzelne Reifen an dieser Achse tragen können muss. Bei 2.000 kg Achslast sind das 1.000 kg pro Rad. Eine schicke 18-Zoll-Felge, die für 690 kg freigegeben ist, scheidet damit aus, egal wie gut sie aussieht.

Wenn du das durchrechnen möchtest, ohne selbst zu suchen: Wir haben dafür einen Radlast-Check im Traglast-Leitfaden gebaut, der dir aus der Achslast die nötige Radlast ausrechnet und erklärt, wo die Werte in den Papieren stehen.

Beim Reifen heißt dieselbe Zahl Tragfähigkeitsindex

Auf dem Reifen steht die Traglast nicht in Kilo, sondern als Zahl vor dem Geschwindigkeitsbuchstaben. Bei einem 255/55 R18 118T steht die 118 für 1.320 kg pro Reifen. Für Wohnmobile sind drei Kennungen wichtig, die du auf der Flanke findest:

  • C steht für Commercial, also einen verstärkten Transporterreifen. Kastenwagen tragen ihn ab Werk fast immer.
  • CP steht für Camping Pkw. Diese Reifen sind speziell für Wohnmobile mit hoher Stützlast und langen Standzeiten gebaut.
  • Reinforced oder XL kennzeichnet verstärkte Pkw-Reifen mit höherem Index.

Ein normaler Pkw-Reifen ohne diese Kennzeichnung reicht am schweren Kastenwagen in der Regel nicht. Welcher Index für deine Höchstgeschwindigkeit passt, kannst du im Ratgeber zum Geschwindigkeitsindex nachschlagen, dort liegt auch ein Schnell-Nachschlag dafür.

2. Die Basisfahrzeuge und ihre Lochkreise

Fast alle Kastenwagen-Wohnmobile in Europa stehen auf einer Handvoll Basisfahrzeuge, und einige davon sind untereinander baugleich. Das ist eine gute Nachricht: Wer den Lochkreis seines Basisfahrzeugs kennt, hat die Suche schon halb erledigt. Die folgende Übersicht stammt aus den Radsätzen, die wir selbst für diese Fahrzeuge führen.

Basisfahrzeug Lochkreis Nabenbohrung Hinweis
Fiat Ducato, Citroën Jumper, Peugeot Boxer, Opel Movano 5x118 71,1 mm leichtere Varianten
Fiat Ducato, Citroën Jumper, Peugeot Boxer, Opel Movano 5x130 78,1 mm schwere Varianten und Maxi
Mercedes Sprinter 6x130 84,1 mm auch als Basis vieler Ausbauten
VW Crafter, MAN TGE 5x120 65,1 mm baugleiche Fahrzeuge
Ford Transit 5x160 65,1 mm je nach Baujahr und Gewichtsvariante
Ford Transit, schwere Varianten 6x130 84,1 mm höhere Gewichtsklassen

Die wichtigste Falle steckt in den ersten beiden Zeilen: Ducato, Jumper, Boxer und Movano gibt es mit zwei völlig verschiedenen Lochkreisen. Die leichteren Versionen fahren 5x118, die schweren und die Maxi-Varianten 5x130. Beide sind fünflochig, und man sieht den Unterschied nicht auf den ersten Blick. Wer hier falsch bestellt, hat vier Felgen zu Hause, die nicht auf die Nabe passen. Miss im Zweifel nach oder lass dir den Lochkreis bestätigen, bevor du bestellst.

Falls du selbst messen willst: Bei fünf Löchern ist der Abstand von Lochmitte zu Lochmitte nicht der Lochkreis. Wie du aus dem gemessenen Abstand den echten Wert bekommst, steht im Lochkreis-Rechner, dort rechnest du es direkt aus.

Nabenbohrung und Zentrierringe

Neben dem Lochkreis muss die Nabenbohrung passen. Sie ist das Loch in der Felgenmitte, das auf dem Nabenzapfen sitzt und das Rad zentriert. Alufelgen aus dem Zubehör haben oft eine größere Bohrung, damit sie auf mehrere Fahrzeuge passen, und werden dann mit einem Zentrierring auf das Fahrzeugmaß reduziert. Das ist völlig normal und zulässig, solange der Ring zur Kombination gehört und im Gutachten so vorgesehen ist. Passende Ringe findest du über den Zentrierring-Finder, dort gibst du beide Maße ein.

Wichtig am schweren Fahrzeug: Der Ring zentriert, er trägt nicht. Die Last liegt auf der Radauflagefläche und den Schrauben. Ein fehlender oder falscher Ring führt zu Vibrationen, ersetzt aber niemals eine zu geringe Traglast.

3. Reifen: All-Terrain am Wohnmobil

Der häufigste Wunsch beim Offroad-Wohnmobil ist ein grobstolliger Reifen. Das ist sinnvoll, hat aber am schweren Fahrzeug andere Spielregeln als am Geländewagen.

All-Terrain (AT) ist für Wohnmobile in aller Regel die richtige Wahl. Das Profil bringt spürbar mehr Grip auf Schotter, Wiese und weichem Untergrund, bleibt auf der Straße aber leise genug für lange Etappen und verschleißt langsam genug für die Kilometer, die ein Reisemobil macht. Viele AT-Reifen gibt es in verstärkten Ausführungen mit hohen Tragfähigkeitsindizes, und genau die brauchst du.

Mud-Terrain (MT) ist am Wohnmobil meist die falsche Wahl. Die groben Stollen bringen im Schlamm etwas, kosten dafür Abrollkomfort, Laufruhe und Bremsweg auf nasser Straße, und sie sind laut. Ein Reisemobil verbringt den Großteil seines Lebens auf Asphalt. Wer nicht regelmäßig wirklich schweres Gelände fährt, ist mit AT besser bedient.

Achte bei beiden Typen auf die Wintertauglichkeit, wenn du außerhalb des Sommers unterwegs bist: Nur Reifen mit dem Alpine-Symbol, also dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke, gelten in Deutschland als Winterreifen. Das M+S-Zeichen allein reicht bei neueren Reifen nicht mehr. Unser Sortiment an Offroad-Reifen und Komplettradsätzen ist entsprechend gekennzeichnet.

Luftdruck: die meistunterschätzte Stellschraube

Beim Wohnmobil trägt der Reifen dauerhaft nahe an seiner Grenze, und der richtige Luftdruck entscheidet darüber, ob das gutgeht. Zu wenig Druck bei hoher Beladung heizt die Flanke auf, das ist der klassische Weg zum Reifenschaden auf der Urlaubsfahrt. Zu viel Druck kostet Komfort und Grip.

Der Druck hängt von der tatsächlichen Achslast ab, nicht vom Gefühl. Reifenhersteller veröffentlichen dafür Tabellen, die zu jeder Last den Mindestdruck nennen. Der sicherste Weg: Fahre dein beladenes Wohnmobil einmal über eine öffentliche Waage, notiere die echten Achslasten und stelle den Druck danach ein. Ein einmal ermittelter Wert gilt dann für deine typische Reisebeladung.

4. Einpresstiefe und Freigängigkeit

Die Einpresstiefe, kurz ET, bestimmt, wie weit das Rad im Radhaus sitzt. Kleinere ET-Werte holen das Rad nach außen, größere schieben es nach innen. Bei den Kastenwagen liegen die üblichen Werte im Bereich ET40 bis ET55.

Am Wohnmobil ist Spurverbreiterung durch eine kleinere ET nicht automatisch ein Gewinn. Drei Punkte solltest du bedenken:

  • Die Räder dürfen nicht über die Karosserie hinausstehen, sonst ist eine Verbreiterung nötig und die Kombination wird eintragungspflichtig.
  • Bei Doppelbereifung hinten ist der Spielraum ohnehin klein, hier passt fast nur, was der Hersteller vorsieht.
  • Eine geänderte ET verschiebt die Hebelverhältnisse an Radlager und Radschrauben. Am schweren Fahrzeug wiegt das mehr als am Pkw.

Wenn du wissen willst, wie weit ein Rad mit anderer ET wandert, rechnest du das im ET-Rechner aus, dort siehst du die Verschiebung je Seite in Millimetern.

5. Zulassung: was eingetragen werden muss

Für die Rechtslage gilt beim Wohnmobil nichts grundsätzlich anderes als beim Pkw, nur sind die Folgen eines Fehlers größer, weil Gewicht im Spiel ist.

  • Räder mit EG-Typgenehmigung oder mit passender ABE darfst du ohne Eintragung fahren, solange du die Auflagen aus dem Dokument einhältst. Die Papiere gehören ins Fahrzeug.
  • Räder mit Teilegutachten müssen nach der Montage abgenommen und in die Papiere eingetragen werden.
  • Weicht der Reifendurchmesser deutlich ab, ändert sich die Tachoanzeige. Die Anzeige darf nie weniger anzeigen als du tatsächlich fährst. Wie stark eine Größe abweicht, siehst du im Reifenrechner.
  • Traglast und Geschwindigkeitsindex müssen zu den eingetragenen Werten passen. Ein niedrigerer Geschwindigkeitsindex ist nur bei Winterreifen erlaubt, dann mit Hinweisschild im Sichtfeld.

Prüfe außerdem, ob der Fahrzeughersteller für deine Gewichtsvariante Einschränkungen nennt. Gerade bei aufgelasteten Fahrzeugen, die von 3,5 auf 4,0 Tonnen gebracht wurden, gelten oft eigene Vorgaben für Räder und Reifen.

6. Die fünf häufigsten Fehler

  1. Den Lochkreis vom Nachbarfahrzeug übernehmen. Bei Ducato, Jumper, Boxer und Movano hängt er an der Gewichtsvariante, nicht am Modellnamen.
  2. Nach Optik statt nach Traglast suchen. Die Radlast ist ein Ausschlusskriterium, kein Detail. Sie steht im Teilegutachten der Felge.
  3. Mud-Terrain am Reisemobil. Laut, durstig, längerer Bremsweg auf Nässe, und im Alltag selten gebraucht.
  4. Luftdruck nach Pkw-Gefühl einstellen. Ohne echte Achslasten ist der Wert geraten.
  5. Zentrierringe als Traglast-Lösung verstehen. Sie zentrieren nur.

FAQ: die häufigsten Fragen zum Wohnmobil-Rad

Welche Felgengröße passt an ein Kastenwagen-Wohnmobil?

Üblich sind 16 bis 18 Zoll. Größere Räder sehen sportlicher aus, lassen aber weniger Reifenflanke übrig, und gerade die Flanke federt am schweren Fahrzeug den Untergrund ab. Für Reisemobile, die häufiger auf Schotter oder Wiese stehen, ist die kleinere Größe mit mehr Flanke meist die bessere Wahl.

Brauche ich für AT-Reifen am Wohnmobil eine Eintragung?

Das hängt an der Größe, nicht am Profil. Bleibt die Reifengröße in den Papieren eingetragen und stimmen Tragfähigkeit und Geschwindigkeitsindex, ist nichts zu tun. Weicht die Größe ab, brauchst du eine Freigabe und in der Regel eine Abnahme.

Kann ich Stahlfelgen gegen Alufelgen tauschen?

Ja, wenn die Alufelge für die Achslast deines Fahrzeugs freigegeben ist. Genau daran scheitern viele Kombinationen am schweren Kastenwagen, deshalb steht die Traglastprüfung am Anfang und nicht am Ende der Auswahl.

Was ist der Unterschied zwischen CP- und C-Reifen?

C bezeichnet einen verstärkten Transporterreifen. CP ist speziell für Wohnmobile ausgelegt, mit Rücksicht auf lange Standzeiten und hohe Dauerlast. Beide sind am Reisemobil grundsätzlich möglich, entscheidend bleibt der Tragfähigkeitsindex.

Passende Räder für dein Basisfahrzeug

Wir führen Räder und Komplettradsätze für die gängigen Wohnmobil-Basisfahrzeuge, jeweils mit Angabe von Lochkreis, Einpresstiefe und Nabenbohrung:

Wenn du unsicher bist, welche Kombination zu deiner Gewichtsvariante passt, schick uns die Zulassungsbescheinigung Teil I. Anhand der Achslasten und der eingetragenen Reifengrößen sagen wir dir, was in Frage kommt, bevor du bestellst.

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